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Weltkrebstag

04.02.2020     Elke Steudter     710 Views     0 Kommentare

Immer mehr Menschen erkranken an Krebs. Verbesserte Behandlungsmöglichkeiten führen dazu, dass immer mehr Betroffene länger mit Krebs (über-) leben. Was dies für Betroffene, ihre Angehörigen und für die Pflege bedeutet, lesen Sie hier.

Quelle: Pixabay

Immer mehr Menschen erkranken an Krebs. Dies mag einer der Gründe sein, warum der diesjährige Weltkrebstag vom 4. Februar unter dem Motto «I am and I will» steht. Der Anstieg der Erkrankungszahlen lässt sich zum einen auf die steigenden Bevölkerungszahlen und zum anderen auf die älter werdende Gesellschaft zurückführen. Denn im Alter steigt das Erkrankungsrisiko für verschiedene Krebsarten, z. B. Prostata- oder Darmkrebs (Global Burden of Disease Cancer Collaboration, 2019). Aktuellen Schätzungen aus dem Jahr 2015 zufolge erkranken etwas mehr als 40.000 Menschen in der Schweiz jährlich neu an Krebs. Obwohl sich die Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten in den letzten Jahren stark verbessert und erweitert haben, ist Krebs noch immer der zweithäufigste Grund, warum Menschen sterben. Ungefähr 16.700 Menschen erliegen jährlich in der Schweiz dem Krebs und seinen Folgen.

Durch die verbesserten Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten überstehen immer mehr Menschen aber eine Krebserkrankung oder (über-) leben länger mit einem bestehenden Tumorleiden. Das bedeutet, dass sich die Langzeitüberlebensrate in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert hat. Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass das sogenannte Cancer Survivorship immer mehr an Bedeutung hat und inzwischen ein wichtiges Konzept in der onkologischen Versorgung darstellt.

Für viele vom Krebs betroffene Menschen erweist sich die Krankheit als chronisch, da die Patientinnen und Patienten auch Jahre später noch an den körperlichen (z.B. Herzerkrankungen) oder psychischen Auswirkungen leiden (Schilling, 2017). In diesem Fällen spricht man auch von der Chronizität der onkologischen Krankheiten (Hellberg-Naegele, 2019).

Vielseitige Pflege- und Behandlungssituationen

Die onkologische Behandlung und Pflege fusst in der Regel auf drei Säulen: Im Vordergrund steht zunächst der kurative Ansatz, der alles daransetzt, die Tumorzellen zu entfernen bzw. zu zerstören und die krebserkrankten Menschen vollständig zu heilen. Dazu werden Operationen, Chemo- und Strahlentherapie meist in Kombination durchgeführt. Seit einigen Jahren werden diese klassischen Therapieoptionen bei Brustkrebs durch die Hormontherapie ergänzt. Die antihormonelle Therapie soll hormonempfindliche Tumorzellen am Wachstum hindern. Aber längst nicht bei allen Menschen kann eine bösartige Neubildung vollständig entfernt werden. Entweder weil sie an einem für eine Operation oder Chemotherapie schwer zugänglichem Gebiet wächst. Oder weil der Tumor schon zu weit fortgeschritten ist, wie beispielsweise bei Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, weil diese Krebsart häufig zu spät erkannt wird.

Krankheitsverlaufskurve bei Krebs

Kann eine bösartige Neubildung nicht (vollständig) entfernt oder am Wachstum gehindert werden, greift die zweite Säule der onkologischen Behandlung und Pflege. Die betroffenen Patientinnen und Patienten werden regelmässig in onkologischen Ambulatorien oder durch die Hausärzte und -ärztinnen betreut. Ziel der Behandlung ist, den Krankheitszustand möglichst lange stabil zu halten, belastende Symptome frühzeitig zu erkennen und mit geeigneten Massnahmen zu behandeln. Im Vordergrund stehen die Lebensqualität und das Wohlbefinden der an Krebs unheilbar erkrankten Menschen. Dabei soll nicht nur der oder die Betroffene von pflegerischen Interventionen profitieren können. Wie bei anderen Krankheiten auch sollte das soziale Umfeld bzw. die wichtigen Bezugspersonen in den Betreuungsprozess integriert und als wichtige Partner im Behandlungsteam betrachtet werden (Stiftung Deutsche Krebshilfe, 2017).

Krebserkrankte Menschen frühzeitig auch palliativ begleiten

Nicht immer kann ein Krebsleiden erfolgreich kurativ behandelt werden. Wenn eine onkologische Krankheit fortschreitet, sollte der onkologisch-palliative Ansatz in die Behandlung und Pflege berücksichtigt werden. Verschiedene Studien konnten zeigen, dass die frühzeitige Integration der Palliative Care die Lebensqualität der von Krebs betroffenen Menschen verbessern (z. B. Vanbutsele et al. 2018) und die Belastungen von pflegenden Angehörigen verringern kann.

Für die Pflegenden der Palliative Care bedeutet dies, dass noch immer ein grosser Teil der Patientinnen und Patienten, die palliativ behandelt und gepflegt werden, eine onkologische Erkrankung haben. Daher ist es neben dem palliativspezifischen Fachwissen unabdingbar, auch über ausreichendes Basiswissen in der onkologisch-palliativen Pflege zu verfügen. Dieses Fachwissen wird Pflegenden auf entsprechenden Fachkongressen oder in Palliative Care Weiterbildungen vermittelt. Im Kanton Aargau können Health Professionals für eine Palliative Care Weiterbildung bis Ende 2021 Weiterbildungszuschüsse beantragen. Informationen finden sich bei palliative aargau.

 

Elke Steudter | Pflegewissenschaftlerin | Careum Weiterbildung Aarau

 

Quellen

Global Burden of Disease Cancer Collaboration (2019). Global, Regional, and National Cancer Incidence, Mortality, Years of Life Lost, Years Lived With Disability, and Disability-Adjusted. Life-Yearsfor29CancerGroups,1990to2017. A Systematic Analysis for the Global Burden of Disease Study. JAMA Oncol.; 5(12): 1749–1768. https://jamanetwork.com/journals/jamaoncology/fullarticle/2752381

Hellberg-Naegele, M. (2019). Ist Krebs eine chronische Erkrankung? Pflegezeitschrift, 72: 53–55.

Schilling, G. (2017). Langzeitüberlebende nach Krebs – Geheilt, aber nicht richtig gesund. Deutsches Ärzteblatt, 114(24): 4–7.

Stiftung Deutsche Krebshilfe (2017). Die blauen Ratgeber – Hilfen für Angehörige. Bonn. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Hilfen-fuer-Angehoerige_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf

Vanbutsele, G., Pardon, K., van Belle, S. & Surmont, V. (2018). Effect of early and systematic integration of palliative care in patients with advanced cancer: A randomised controlled trial. The Lancet Oncology, 19(3): 394–404.


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