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«… und plötzlich online» – digitales Lernen und Lehren

25.05.2020     Elke Steudter     522 Views     0 Kommentare

Unterricht, Beratungen und Sitzungen über die Ferne ermöglichen – das war in den letzten Wochen eine Herausforderung. Wie dies am Careum Weiterbildung gelungen ist, stellen wir Ihnen hier mit einem «Blick hinter die Kulissen» vor.

Abbildung 1: Digitales Lernen vernetzt über Grenzen hinaus (Quelle: visualhunt.com)

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Für den gelungenen Online-Unterricht werden engagierte Menschen, Mut, Neugierde und technische Ausstattung benötigt.
  • Die Kombination von Präsenz- und Online-Unterrichten ist sehr gefragt.
  • Im Online-Unterricht müssen bestimmte Regeln beachtet werden.
  • Online-Seminar mit dem Psychologen Andreas Knuf zum Thema «Umgang mit Gefühlen in der Corona-Zeit» und ein frei zugängliches Kurzreferat als Video.

 

Anfang März zeichnete sich ab, das Unterricht und andere Veranstaltungen im Careum Haus in Aarau für längere Zeit nicht mehr mit physischer Anwesenheit der Teilnehmenden und Dozierenden angeboten werden können. Die Suche nach einem geeigneten Tool begann, Vor- und Nachteile des Fernunterrichts wurden besprochen, Ressourcen geprüft und Entscheidungen getroffen. Anders als bei vielen anderen Bildungsanbietern entschied Careum Weiterbildung rasch, die Unterrichte in den Modulen nicht auf den Herbst zu verschieben. Vielmehr sollte den Teilnehmenden über die computervermittelte bzw. digitale Kommunikation (Beck & Jünger, 2018) die Möglichkeit geboten werden, Fachwissen und Kompetenzen auch über die Ferne erwerben und vertiefen zu können und ihre geplante Weiterbildung trotz der Veränderungen beginnen bzw. fortsetzen zu können.

Tanja Maag, Lehrende & Modulverantwortliche, Careum Weiterbildung

 

Die ersten Schritte
Die ersten Versuche mit dem Online-Tool Zoom wurden über private Mobiltelefone auf den Fluren der Einrichtung gestartet und mit viel Elan an so manchem langen Arbeitstag wurden die Unterrichte in kürzester Zeit auf Online umgestellt. Das bedeutete, dass nicht nur das methodisch-didaktische Konzept mit den Dozierenden angepasst, alle Beteiligten in der Anwendung von Zoom geschult, der Datenschutz im Netz bedacht und die Teilnehmenden informiert werden mussten. Auch die Verantwortlichen bei Careum Weiterbildung mussten sehr schnell lernen, welche Möglichkeiten – aber auch welche Grenzen – der digitale Unterricht hat. Zum Glück arbeitet Rahel Stöckli am Careum in Aarau. Als Bildungswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Digitales Lernen und ihrer langjährigen Erfahrung als Bildungsverantwortliche im Gesundheits- und Pflegewesen ist sie eine ausgewiesene Fachfrau rund um das Thema digitale Medien, Medienkompetenz und e-learning. Für sie lagen die Vorteile des Digitalen schon lange auf der Hand – und nun mussten wir alle mitziehen. Sehr geduldig und motivierend brachte sie die Kollegin auf den Stand der Dinge, räumte Zweifel aus, nahm Bedenken ernst, zeigte und trainierte Anwendungen online und stand vor allem den Dozierenden mit Rat und Tat zur Seite.

 

Rahel Stöckli, Programmleiterin Pflege & Betreuung, Careum Weiterbildung

 

Ohne technische Ausstattung geht es nicht 
Nicht nur pädagogisch-methodische Kompetenzen sind in Zeiten des Digitalen gefragt, auch die Unterstützung durch die IT war Voraussetzung, damit das Geplante gelingen konnte. Alle mobilen Rechner wurden Homeoffice tauglich gemacht, entsprechende Programme wurden installiert sowie Kamera und Mikrofone funktionstüchtig gemacht. Damit alle Teilnehmende ohne Zeitlimitationen Zugang zu den Unterrichten haben, wurden die dafür nötigen Lizenzen gekauft und entsprechende Zugangsmöglichkeiten an die Teilnehmenden und Dozierenden verschickt. Der Tag, an dem wir den ersten Unterricht online angeboten und erfolgreich durchgeführt haben, wird uns allen in guter Erinnerung bleiben. Aufregend war es: Klappt alles? Gibt es technische Probleme? Können alle im Modul angemeldeten Personen teilnehmen? Wie wird diese neue Form des Unterrichts ankommen? Am Ende war grosse Erleichterung bei allen zu spüren – die Premiere war überaus gelungen und die Rückmeldungen der Teilnehmenden sind bis heute sehr positiv und begeistert.

 

Melanie Wächter, Modulverantwortliche Mütter - und Väterberatung, Careum Weiterbildung

 

Die digitale Zukunft ist da und mit ihr finden wir zu neuen Wegen, um uns im Team und im Unterricht auszutauschen. Das Ineinanderfliessen von Privatleben und Arbeit im Homeoffice beeindruckt mich am meisten. Noch nie dagewesenen Situationen, neue Wege, Herausforderungen für Dozierende und Teilnehmende mit einem gemeinsamen Ziel: ein gelungener, interaktiver Unterricht im Zoom. Und dies mit vielen humorvollen Situationen, bedingt durch die Bildschirmpräsenz von Kleinkindern und Haustieren, die ihre Neugierde kundtaten, eben alle verwoben durch Privates und Berufliches.

Rules of work 
Auch wenn der Unterricht über die Ferne gut funktioniert und wir grosse Zustimmung durch die Teilnehmenden und die Dozierenden erfahren – durch das neue Medium gelten auch andere Regeln. Denn die Beziehung durch das nicht unmittelbare und physische Da-Sein gestaltet sich anders. Und so haben digitale Lernangebote Vor- und Nachteile (siehe Tab. 1). Anstatt eine ganze Klasse vor sich zu haben und den Blick im Raum schweifen zu lassen, konzentriert sich nun alles auf die Grösse des Bildschirms. Interaktionen, Diskussionen und der Austausch müssen anders angeleitet und vorbereitet werden als im Präsenzunterricht. Die Teilnehmenden wiederum sind gefordert, sich offen und interessiert auf das Digitale einzulassen und sich aktiv im Unterricht über die Ferne zu beteiligen. Sonst wird die Veranstaltung schnell zur langweiligen Einbahnstrasse, in der nur eine Person viel redet, die anderen zunehmend ermüdet zuhören und kein richtiger «Mit-mach-Unterricht» entstehen kann. Wichtig ist darüber hinaus, dass die Teilnehmenden zeitnah kommunizieren, wenn z. B. die Technik nicht funktioniert, dass Mikrofone irrtümlicherweise nicht oder noch eingeschaltet sind, Inhalte nicht verstanden wurden oder andere Dinge irritieren. Auch die Pausenregelung sollte individuell angepasst und das Bedürfnis nach einer kurzen Unterbrechung offen und rechtzeitig kommuniziert werden. So wird möglichst sichergestellt, dass man sich auch im virtuellen Klassenzimmer wohlfühlt. Dabei ist es wichtig sich zu verinnerlichen, dass man sich tatsächlich in einem anderen (Kommunikations-) Raum befindet, auch wenn man dem Unterricht am Küchentisch oder im Wohnzimmer folgt.

 

Tabelle 1: Vor- und Nachteile virtuellen Unterrichts

 

Was es zu beachten gilt
Die digitale, virtuelle Welt ist vor allem auch eine Welt der Kommunikation. Die computervermittelte Kommunikation, wie sie beispielsweise in Online-Unterrichten genutzt wird, folgt aber anderen Regeln als dies in einer face-to-face Begegnung der Fall ist. Dieses Neue, Andere in der Kommunikation sollte nicht unterschätzt werden, denn es ist Voraussetzung für eine gelungene Durchführung des Online-Unterrichts. Unterstützt durch die Kamera und der dauernden Präsenz auf dem Bildschirm werden nämlich nicht nur sprachliche Inhalte, sondern auch ständig non-verbale Zeichen gesendet, die durch die Fokussierung auf die Einzelnen stärker wirken können, als dies in einem Klassenzimmer wahrgenommen wird. Aus diesem Grund müssen die Nutzer und Nutzerinnen im virtuellen Raum quasi neu lernen, Inhalte und Zeichen passend zusammenzubringen, um sich (wieder) zu verstehen. Möglicherweise ist dies der Grund, warum Online-Unterricht – vor allem zu Beginn – als anstrengend erlebt wird.

 

Wir bleiben dran und machen weiter
Der Start in die virtuelle Bildungslandschaft ist sehr gut gelungen. Careum Weiterbildung möchte den eingeschlagenen Weg weitergehen und dort wo sinnvoll, den Präsenzunterricht mit Online-Angeboten kombinieren. Und schon im Juni bieten wir eine weitere spannende Veranstaltung an. Leider musste aufgrund der Pandemie das Pflegesymposium 2020 mit dem Thema «Guter Schlaf wirkt Wunder» ins nächste Jahr verschoben werden. Aber wir haben uns etwas einfallen lassen: Der Dipl. Psychologe und psychologische Psychotherapeut Andreas Knuf, der für Careum Weiterbildung auch als Dozent arbeitet, bietet ein Webinar an, indem es um den «Umgang mit Gefühlen in der Corona-Zeit» geht. Und als Einstimmung auf die Online-Veranstaltung haben wir ein Video mit Andreas Knuf produziert, in dem er ein Kurzreferat zum Thema hält.

 

Elke Steudter ¦ Pflegewissenschaftlerin ¦ Careum Weiterbildung Aarau

 

Quellen
Beck, K. & Jünger, J. (2018). Soziologie der Online-Kommunikation. Handbuch Online-Kommunikation. Wiesbaden: Springer Fachmedien. https://link.springer.com/referencework/10.1007/978-3-658-18017-1


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