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Gute Betreuung im Alter

16.06.2020     Elke Steudter     212 Views     0 Kommentare

Ältere Menschen möchten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Was Betreuung dazu leisten kann und was eine gute Betreuung ausmacht, lesen Sie hier.

Foto 1: Ältere Menschen schützen und teilhaben lassen. (Quelle visualhunt.com)

Nicht erst seit der Corona-Pandemie stehen alte Menschen im Fokus der Aufmerksamkeit. Auf der einen Seite sind sie eine schnell wachsende Bevölkerungsgruppe, die nicht nur aus ökonomischen Gründen interessant ist. Auf der anderen Seite müssen sich Gesundheits- und Pflegesysteme aufgrund der demografischen Prognosen weltweit überlegen, wie der aktuelle und der zukünftige Bedarf an Unterstützungsleistungen aufrechterhalten bzw. ausgebaut werden und wie die Pflege der Zukunft aussehen kann und soll.  
 

Gegen Diskriminierung und Missbrauch 
Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und der gestiegenen Lebenserwartung ist der Missbrauch älterer Menschen ein zunehmendes und ernstes Problem, das sich auf die Gesundheit und die Menschenrechte auswirkt und zum vorzeitigen Tod der Betroffenen führen kann. Daher ist es wichtig, das Bewusstsein dafür zu schärfen und Unrecht gegenüber älteren Menschen zu verhindern. Seit 2006 rücken die Vereinten Nationen alljährlich am 15. Juni dieses Thema mit dem «Welttag gegen Diskriminierung und Misshandlung älterer Menschen» in den Mittelpunkt.

Von Missbrauch spricht man dann, wenn in einem Abhängigkeitsverhältnis einzelne oder wiederholte Handlungen oder die Unterlassung von nötigen Massnahmen auftreten, die älteren Menschen Schaden zufügen oder sie in Bedrängnis bringen. Der Missbrauch älterer Menschen ist ein globales Phänomen und tritt in verschiedenen Varianten, beispielsweise körperlich, emotional, sexuell oder finanziell, auf. Aber auch die Vernachlässigung stellt eine Form des Missbrauchs dar. Bis vor kurzem wurde das Thema kaum öffentlich diskutiert und überwiegend als Privatsache betrachtet. Auch heute noch ist es ein Tabu, das auf der ganzen Welt meist unterschätzt und ignoriert wird. Das Ausmass des Problems, das sowohl in Entwicklungs- als auch in Industrieländern besteht, kann nur vermutet werden. Die Prävalenz wird auf 1–10% geschätzt (United Nations, 2020).

 

Foto 2: Bei Gewalt und Missbrauch nicht wegsehen (Quelle visualhunt.com)

 

Hinschauen und handeln
Viele ältere Menschen sind nicht in der Lage, sich gegen Übergriffe zu wehren oder Hilfe zu holen. Gründe dafür können Angst und/oder körperliche sowie psychische Gebrechen und Einschränkungen sein. Besonders gefährdet sind Jene, die allein und von anderen isoliert leben. Durch die eingeschränkte soziale Kontrolle werden Misshandlungen dann oft nicht erkannt.

 

Wegweiser für gute Betreuung im Alter 
Ältere und alte Menschen gut zu betreuen sollte wichtiges Anliegen aller sein, den schliesslich streben die meisten Menschen ein Alter in Selbstbestimmung und mit der Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben weiter teilzunehmen, an. Die Paul Schiller Stiftung hat in Zusammenarbeit mit der Age-Stiftung, der Beisheim Stiftung, der MBF Foundation, des Migros-Kulturprozents und der Walder Stiftung einen Wegweiser für die gute Betreuung im Alter (Knöpfel et al., 2020) in Auftrag gegeben und sich so einem komplexen alterspolitischen und gesundheitsbezogenen Thema gewidmet. Das von der Fachhochschule Nordwestschweiz erarbeitete und nun verfügbare Dokument wurde Mitte Mai veröffentlicht. Ein Video, in dem der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Carlo Knöpfel und der Soziologe Riccardo Pardini (beide sind Mitautoren der Publikation) den Wegweiser zusammenfassen, finden Sie hier.

Alle wichtigen Informationen dazu finden Sie hier

 

Klären, was gute Betreuung im Alter ist
So unterschiedlich die Unterstützungsbedürftigkeit der älteren Menschen ist, so vielfältig kann Betreuung gestaltet werden. Ziel sollte dabei stets sein, ältere und alte Menschen darin zu unterstützen, ihren Alltag selbstständig zu gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben – auch wenn sie das aus eigenen Kräften nicht mehr können. Gute Betreuung richtet sich konsequent an den Bedürfnissen der alten Menschen und behält neben dem körperlichen auch das psychosoziale Wohlbefinden im Blick. Betreuung im Alter umfasst dabei eine Vielzahl von Aktivitäten, die der Wegweiser in sechs Handlungsfeldern zusammenfasst: Selbstsorge, Alltagsgestaltung, Haushaltsführung, soziale Teilhabe, Pflege, Beratungs- und (Alltags-) Koordination.

Der Wegweiser liefert fundiert erarbeitete Anhaltspunkte, wie ältere und alte Menschen weiter aktiver Teil der Gemeinschaft bleiben können. Sieben Leitlinien zeigen, welche Anforderungen in ganz unterschiedlichen Betreuungssituationen zu erfüllen sind.

 

Gute Betreuung lässt sich im professionellen Kontext allerdings nur dann realisieren, wenn sie auf verschiedenen Ebenen die nötige Anerkennung findet. Beispielsweise sollte im Betreuungsalltag genügend Zeit und Raum für entsprechende Aktivitäten in den Abläufen eingeplant werden. Dies bedingt, dass Personal mit entsprechender Ausbildung vorhanden ist und dass die Institution bereit ist, ihren Erfolg auch an der Qualität der Betreuung zu messen.

 

Elke Steudter ¦ Pflegewissenschaftlerin ¦ Careum Weiterbildung Aarau

 

Quellen

Knöpfel, C., Pardini, R. & Heinzmann, C. (2020). Wegweiser für gute Betreuung im Alter. Begriffsklärung und Leitlinien. Online unter: https://gutaltern.ch/berichte/

National Today (2020). World Elder Abuse Awareness Day. Online unter: https://nationaltoday.com/world-elder-abuse-awareness-day/ (09.06.2020)

United Nations (2020). World Elder Abuse Awareness Day. Online unter: https://www.un.org/development/desa/ageing/world-elder-abuse-awareness-day.html (09.06.2020)


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