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Netzwerken in der Pflege

20.10.2020     Elke Steudter     408 Views     0 Kommentare

Rasch die richtigen Informationen erhalten und so schneller reagieren und handeln können – nur ein Vorteil von Netzwerken. Was es beim beruflichen Netzwerken zu beachten gilt lesen Sie hier.

Foto 1: Netzwerke verbinden (Quelle: visualhunt.com)

«Wenn du schnell reisen willst, reise alle. Aber wenn du weit reisen willst, reise gemeinsam.» Dieses afrikanische Sprichwort beschreibt recht gut, was Netzwerken meint. Unter Netzwerken (engl. Networking) versteht man den Auf- und Ausbau von förderlichen Kontakten zu anderen Menschen, Gruppen oder Institutionen mit dem Ziel, zukünftig auf dort vorhandene Ressourcen zurückgreifen zu können. Man könnte es auch regelmässige und nachhaltige Kontaktpflege mit ausgesuchten Personen nennen (vgl. Praxium, 2013). Die Ressourcen, die genutzt werden sollen, können beispielsweise fachliche Informationen oder der Austausch von Meinungen zu bestimmten Themen sein. Ein Netzwerk erlaubt allgemein «auf dem Laufenden“ zu bleiben und eine Anlaufstelle bei Fragen oder anderen Anliegen zu haben.

Verschiedene Netzwerke – verschiedene Möglichkeiten
Man unterscheidet verschiedene Arten von Netzwerken, die jeweils andere Möglichkeiten bieten. Die im Alltag am häufigsten genutzten Netzwerke sind wahrscheinlich Facebook, Twitter, Instagram – um nur einige zu nennen. Wurden sie zu Beginn fast ausschliesslich für private Belange genutzt, vermischt sich dies zunehmend. Denn immer mehr Firmen stellen ihr Profil inzwischen auch auf diese schon beinahe klassischen Social Media Kanäle. So können Pflegende sich über potenzielle Arbeitgeber, über Weiterbildungsangebote verschiedener Bildungsinstitution oder beispielsweise über neue Beiträge in den FachNews informieren. Für Pflegende sind zwei weitere Netzwerke ebenfalls bedeutend: die laufbahnbezogenen und die patientenbezogenen. Beide Arten müssen aktiv aufgebaut und gepflegt werden. Ein Netzwerk zu unterhalten ist ein langfristig ausgelegtes Unterfangen, in das vor allem Zeit investiert werden muss.
 

Foto 2: Ein Netzwerk kann unterstützen (Quelle: visualhunt.com)


Laufbahnbezogenes Netzwerken
«Wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt, der … » Meist werden wichtige berufliche Informationen, z. B. eine freiwerdende Stelle oder eine neue Projektausschreibung über berufliche Netzwerke verbreitet – und nicht selten bevor sie offiziell kommuniziert werden. Daher können diese Netzwerke ein wichtiges Hilfsmittel bei der Planung und Gestaltung der beruflichen Laufbahn zu sein. Denn Netzwerke bieten die Möglichkeiten, sich fachlich auszutauschen und dadurch auch zu präsentieren. Sie können Unterstützung bei fachlichen Vorhaben bieten und ermöglichen den Kontakt zu interessanten Personen eines Fachgebietes. Pflegende können in Netzwerken auf sich und ihre Expertise aufmerksam machen und so ihr berufliches Profil in der Community verbreiten.

Es gibt viele Gelegenheiten, an denen das laufbahnbezogene Netzwerk aufgebaut und erweitert werden kann: Kontakt mit Referierenden auf Kongressen/Veranstaltungen oder die Mitarbeit in Arbeitsgruppen. Auch Alumni-Vereinigungen oder der über die Aus- und Weiterbildung hinaus bestehende Kontakt zu Dozierenden der Alma mater – also der Bildungsinstitution, in der man seinen Abschluss erworben hat – sind wichtige Quellen für das laufbahnbezogene Netzwerk. Auch die Reaktion auf einen Beitrag in einem Fachmagazin kann dazu führen, dass ein neuer Kontakt und ein fachlicher Austausch entsteht. Inzwischen haben sich darüber hinaus eigene laufbahnbezogene Netzwerke etabliert, die bekanntesten sind für den deutschsprachigen Raum Xing oder das amerikanische, international genutzte Netzwerk LinkedIn. Diese Plattformen können berufliche Kontakte herstellen, sie ersetzen aber den persönlichen, direkten Austausch und die Begegnung nicht.

Richtig Netzwerken für nachhaltigen Erfolg
Damit laufbahnbezogenes Netzwerken erfolgreich ist, sollten bestimmte Regeln beachtet werden: Möchte man neu einem Netzwerk beitreten, begegnet man den Menschen offen, neugierig, verantwortungsvoll und hilfsbereit. Will man Teil des Netzwerks werden, bietet man erst selbst Hilfe und Unterstützung an, man «zahlt» quasi zunächst in das Netzwerk ein. Wer aber nur auf Hilfe, auf den eigenen Vorteil spekuliert und mit dieser Haltung auftritt, wird beim Netzwerken schnell scheitern. Denn es gilt der Grundsatz: Quid pro quo (lat. «dies für das»). Ein Grundsatz der übrigens nicht nur in Netzwerken, sondern allgemein bei der Zusammenarbeit gelten sollte. Es geht also um das «Geben und Nehmen» und auch hier steht das Geben an erster Stelle.

Bevor es ans Netzwerken geht sollte geklärt sein, mit welchem Ziel die Kontaktaufnahme und -pflege verbunden ist und ob die Personen/Themen die richtigen sind. Die Begegnungen in Netzwerken sollten geprägt sein von ehrlichem Interesse am Gegenüber und nicht nur an den Chancen, die einem dieser Kontakt evtl. eröffnet.

Patientenbezogene Netzwerke
Die beschriebenen Regeln gelten auch für die dritte Form der Netzwerke, die für Pflegende relevant sind – die patientenbezogenen Netzwerke. Diese sind meist eng verknüpft mit dem Ansatz der interprofessionellen Zusammenarbeit und Kooperation. Patientenbezogene Netzwerke müssen immer dann bestehen, wenn die Gesundheitssituation der kranken Menschen den Beizug verschiedener Personen und Professionen nötig macht. Dieser Ansatz ist ein fester Bestandteil in der Palliative Care. Und so verwundert es nicht, das Netzwerken zu den wichtigen Kompetenzen der Fachpersonen in der spezialisierten Palliative Care Versorgung zählt und dies im Kompetenzkatalog aufgenommen wurde (vgl. Kasten 1). Darüber hinaus ist die Arbeit in und mit Netzwerken ein wichtiger Bestandteile des SENS-Modells (Eychmüller, 2012). Dort wird es explizit aufgeführt und zu den wichtigen Aufgaben des gesamten Palliative Care Verlaufs gezählt.

Es wäre wünschenswert, wenn die Bedeutung des patientenbezogenen Netzwerkens auch in anderen Disziplinen der Fachpflege, z. B. der Stroke Care oder in der Geriatrie mehr als bisher hervorgehoben und entsprechende Ressourcen dafür bereitgestellt würden.
 

Kasten 1

 

Foto 3: Netzwerke müssen regelmässig gepflegt werden (Quelle: Pixabay.com)

Patientenbezogene Netzwerke bestehen auch, wenn aktuell keine Patienten und Patientinnen gemeinsam behandelt und versorgt werden. Daher geht diese Form des Netzwerkes über die reine Zusammenarbeit hinaus. Netzwerkpartner und -partnerinnen versorgen sich gegenseitig mit allen wichtigen und aktuellen Informationen, nicht nur zur Patientensituation, sondern auch beispielsweise zu neuen Fachpublikationen oder Kongressankündigungen, um nur einige der Aspekte zu nennen, die ein Netzwerk abdecken kann.


Elke Steudter | Pflegewissenschaftlerin | Careum Weiterbildung

Quellen
Eychmüller, S. (2012). SENS macht Sinn – Der Weg zu einer neuen Assessment-Struktur in der Palliative Care. Therapeutische Umschau; 69 (2): 87–90.
Palliative ch (2012). Kompetenzen für Spezialisten in Palliative Care. Bern
Praxium (2013). Mit Networking zu Erfolg und Reputation. Unter https://www.hrpraxis.ch/2013/01/mit-gekonntem-networking-zu-erfolg-und.html (18.10.2020)
Raab Magazin (2020). Berufliche Netzwerke aufbauen und pflegen. Unter https://www.raabverlag.ch/magazin/berufliche-netzwerke (18.10.2020)

 


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