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Schlaganfallprävention – was ist wichtig?

25.11.2020     Elke Steudter     288 Views     0 Kommentare

Schlaganfälle zu verhindern ist wichtige Aufgabe des Gesundheitssystems. Und das aus verschiedenen Gründen. Welche das sind lesen Sie hier.

 

Foto 1: Die Folgen eines Hirninfarkts können umfassend sein (Quelle visualhunt.com)

Trotz eines funktionierenden Gesundheitssystems, Informationen an die Bevölkerung und verschiedene Aufklärungsinitiativen – noch immer erleiden in der Schweiz jedes Jahr ca. 16.000 Menschen einen Hirninfarkt (Schweizerische Hirnschlaggesellschaft, 2020). In der medizinischen Fachsprache wird diese neurologische Akuterkrankung cerebro-vaskulärer Insult oder Stroke genannt. Die Menschen in der Schweiz erleiden unterschiedlich häufig einen Hirninfarkt, wie die verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2017 zeigen (vgl. Grafik 1).

In den nächsten Jahren werden aufgrund der demografischen Entwicklungen insgesamt mehr Menschen einen Hirninfarkt erleiden. Prognosen für die Mitgliedsländer der EU gehen davon aus, dass die Erkrankungshäufigkeit bis ins Jahr 2035 um 34 Prozent steigen wird (Stevens et al., 2017).

Grafik 1: Aktuell verfügbare Zahlen zur Erkrankungshäufigkeit pro Kanton (Obsan, 2020)


Warum werden die Zahlen weiter steigen?
Noch immer sind vor allem ältere und alte Menschen von einem Hirninfarkt betroffen. Durch die günstige Entwicklung der Lebenserwartung wird es zukünftig mehr alte Menschen geben. Dies führt dazu, dass es gesamthaft zu einem Anstieg dieser akuten Hirnerkrankung kommen wird. Gleichzeitig trifft der Hirninfarkt auch immer mehr Erwachsene (Feigin et al., 2017). Dies kann wahrscheinlich am ehesten einem ungesunden Lebensstil mit wenig Bewegung, viel Stress und ballaststoffarmer, fleischlastiger Ernährung sowie dem übermässigen Rauch- und Alkoholkonsum zugeschrieben werden.
 

Foto 2: Stress prägt vielfach den heutigen Alltag (Quelle visualhunt.com)


Welche Folgen hat das?
Der Hirninfarkt ist im weltweiten Ranking der häufigsten Todesursachen im letzten Jahrzehnt von Platz 5 auf Platz 3 vorgerückt (Institute of Health Metrics and Evaluation, 2018). In der Schweiz zählt er schon länger zu den häufigsten Gründen, warum Menschen sterben (vgl. Grafik 2). Darüber hinaus ist die Erkrankung massgeblich dafür verantwortlich, dass Erwachsene im Anschluss an die Akuterkrankung eine Behinderung erfahren bzw. in ihrem Alltag eingeschränkt und auf professionelle oder familiäre Hilfe angewiesen sind (Vos et al., 2012).

Grafik 2: Todesursachen für die Schweiz (IHME, 2020)
 

Neben den verschiedenen Auswirkungen auf die Lebensqualität und die Selbstständigkeit im Alltag der Betroffenen – dies ist alleine schon Grund genug, einen Hirninfarkt möglichst zu vermeiden – dürfen auch ökonomische Aspekte nicht ausser Acht gelassen werden. Der Hirninfarkt zählt weltweit zu den teuersten Krankheiten. In der Schweiz verursacht die Behandlung der Betroffenen im ersten Jahr durchschnittlich Kosten in Höhe von 43.000 Sfr. (Snozzi et al., 2014). Betrachtet man die aktuelle und prognostizierte Erkrankungshäufigkeit wird klar, welche hohe Belastung der Hirninfarkt für das Schweizer Gesundheitswesen darstellt.


Die Säulen der Schlaganfallprävention
Im Rahmen der «Nationalen Strategie Prävention nichtübertragbarer Krankheiten» des BAG wurde vom Bund für die nächsten Jahre ein Massnahmenplan (BAG, 2020) ausgearbeitet. Der Plan sieht verschiedene Schritte vor, wie Menschen vor Hirninfarkten zukünftig noch besser geschützt werden sollen.
 

Grafik 3: Überblick Hauptmassnahmen zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (BAG, 2020: 10)


Verantwortung der Pflegenden
Auch für Pflegende im stationären und häuslichen Setting können im Zusammenhang mit der Verhinderung von Hirninfarkten Verantwortlichkeiten entstehen. In den Ausführungen des International Council of Nurses (ICN) heisst es dazu:  «(…) Pflege umfasst die Förderung der Gesundheit, die Verhütung von Krankheiten (…)» (ICN, 2002). Dies findet sich auch in den fünf Funktionen der Pflege des SBK wieder. Um Hirninfarkte wirksam zu verhindern ist jedoch ein mehrdimensionales Vorgehen und ein interprofessioneller Ansatz wichtig. Dies wurde mit dem Massnahmenplan des Bundes auf den Weg gebracht. Wie positiv und umfangreich sich dies auf die Häufigkeit von Hirninfarkten auswirken wird, wird sich dann in den kommenden Jahren zeigen.

Elke Steudter | Pflegewissenschaftlerin | Careum Weiterbildung

 

Quellen

BAG (2020). Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten. https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/strategie-und-politik/nationale-gesundheitsstrategien/strategie-nicht-uebertragbare-krankheiten.html (24.11.2020)

Feigin, V.L., Norrving, B. & Mensah, G.A. (2017). Burden of Stroke. Circ Res., 120: 439–448.

ICN (2002). Definition of Nursing. https://www.icn.ch/nursing-policy/nursing-definitions (30.09.2020)

IHME (2018). Findings from the Global Burden of Disease Study 2017. http://www.healthdata.org/sites/default/files/files/policy_report/2019/GBD_2017_Booklet.pdf (24.11.2020)

IHME (2020). What causes the most death? http://www.healthdata.org/switzerland (23.9.2020)

Obsan (2020). Hirnschlag. https://www.obsan.admin.ch/de/indikatoren/hirnschlag (23.11.2020)

Schweizerische Hirnschlaggesellschaft (2020). Der Schlaganfall und seine Ursachen. www.neurovasc.ch (23.11.2020)

Snozzi, P., Blank, P.R. & Szucs , T.D. (2014). Stroke in Switzerland: social determinants of treatment access and cost of illness. J Stroke Cerebrovasc Dis, 23(5): 926–932.

Stevens, E., Emmett, E., Wang, Y., McKevitt, C. & Wolfe, C. (2017). The burden of Stroke in Europe. King`s College London.

Vos, G., Flaxman, A.D., Naghavi, M., Lozano, R., Michaud, C., Ezzati, M. et al. (2012): Years lived with disability (YLDs) for 1160 sequelae of 289 diseases and injuries 1990–2010: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2010. Lancet, 380, 2163–2196.


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